Museen und Kunst

Porträt von Valerie Neutzel, Egon Schiele, 1912

Porträt von Valerie Neutzel, Egon Schiele, 1912

Porträt von Valerie Neutzel - Egon Schiele. 110 x 140 cm

Der Künstler führte das Porträt seiner jungen Geliebten, Muse und Mitarbeiterin Valerie Neutzel auf seine übliche Weise auf, inspiriert von der Arbeit der Postimpressionisten, insbesondere von Van Gogh. Die Aufmerksamkeit des Betrachters konzentriert sich auf die weit geöffneten Augen des Modells. Naiv, wehrlos, andererseits erfahren, traurig, keine Kinder. Die Komplexität der Natur, die Exzentrizität der Persönlichkeit, die Inkonsistenz - in diesen Augen zeigt sich die Vielfalt der Persönlichkeit von Valerie, ihre Bedeutung für den Künstler.

Bewusst hässliches Gesicht, unhöfliche Gesichtszüge, Make-up am Rande des Anstands. Bei jedem Schlaganfall wird der beharrliche Wunsch vermutet, älter als das eigene Alter auszusehen.

Hinter einem blauen Auge kann man das schwierige Schicksal des Mädchens erraten, die Fülle der unglaublichsten Ereignisse, Tragödien und Verluste.

Die Fülle an Weiß in der Arbeit ist der Versuch des Autors, die schwierige Vergangenheit des Modells zu rechtfertigen, es zu idealisieren und alles Sündige zu reinigen. Nur fragmentarische scharlachrote Flecken weisen auf Leidenschaft und Laster hin: Lippen, innerer Rand der Kappe usw.

Die klösterliche Kleidung des Modells gerät in Konflikt mit dem feurig roten Haar, der sinnlichen Neigung des Kopfes. Der Konflikt nimmt alle Anzeichen einer Provokation an, die für viele Werke des Meisters so charakteristisch ist.

Trotz des provokativen Charakters der Arbeit ist die Atmosphäre des Porträts sehr bewegend und aufrichtig. Ästhetisch erinnert das Porträt an die Harlekine und Pierrot Picasso. Handeln, Vortäuschen, Handeln vermischt sich mit subtiler Seelenfülle, Naivität und Wehrlosigkeit.


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