Museen und Kunst

Der gestohlene Spiegel, Max Ernst - Beschreibung des Gemäldes

Der gestohlene Spiegel, Max Ernst - Beschreibung des Gemäldes

Gestohlener Spiegel - Max Ernst. Leinwand, Öl

Aus der Ferne und ohne zu wissen, wer der Autor ist, kann dieses Bild beispielsweise von einem der italienischen Meister für eine klassische Landschaft gehalten werden. Bei genauerem Hinsehen finden Sie jedoch die Handlung und die Bilder, die den monströsen Bildern aus Bosch-Gemälden ähnlicher sind.

Dieses phantasmagorische Bild entstand während des schrecklichen Krieges in ganz Europa, sodass die Schönheit der Landschaft mit seltsamen, perversen und unnatürlichen Motiven kombiniert wird.

Das Bild zeigt eine fantastische, nicht existierende Stadt, als hätte sie einen Traum für eine Person mit psychischen Störungen (oder mit einer reichen Vorstellungskraft). Es steht am Meer und als ob das Ganze aus einzelnen Elementen besteht, gekrönt von großen und manchmal einfach gigantischen Figuren. Nach den Regeln der Perspektive wird der Betrachter durch eine lange Straße in die Ferne geführt, die auf beiden Seiten von Mauern begrenzt wird. Eine niedrige breite Mauer schützt die Stadt vor dem Meer und wird von der Seite der Gebäude hoch, dünn und lockig.

Die Straße beginnt mit zwei riesigen Figuren, die vage an die klassischen erinnern, aber tatsächlich aus vielen unterschiedlichen und äußerst seltsamen Details bestehen. Die linke Figur, die dem Betrachter zugewandt ist, hält einen langen Pfeil in den Händen. Sie ist seltsam und unnatürlich verdreht, und die Hälfte ihres nackten Körpers ist wie viele andere Details des Bildes von einem unverständlichen, formlosen Umhang verdeckt, der in der Technik der Abziehbilder hergestellt wurde. Das Gesicht der Frau ist nicht sichtbar, es ist unter der Robe versteckt und es scheint, dass sich auf ihrem Kopf ein extrem hoher, spitzer Kopfschmuck wie mittelalterlicher Gennin befindet. Die rechte Figur ist ebenfalls nackt, ihr Gesicht ist im Profil dargestellt, aber ihr Kopf scheint in Flammen zu stehen, in denen eine weitere seltsame Figur sichtbar ist.

Überall auf der Straße sind verschiedene seltsame Objekte verstreut, die entweder das Gefühl einer schnellen Flucht während einer schrecklichen Bedrohung oder die Folgen einer ebenso schrecklichen Naturkatastrophe hervorrufen. Seltsamerweise mildert der sanfte Pastellbereich nicht nur den erschreckenden Eindruck, den das Bild hinterlässt, sondern verschärft ihn auch.

Weit entfernte Gebäude haben eine abgestufte konische Form. Sie sind mit großen Statuen gekrönt, in denen man mit einer gewissen Ausdehnung die Figuren des Buddha, der antiken griechischen Sphinx, des Kolosses von Rhodos, der Freiheitsstatue und sogar der Silhouette des Eiffelturms identifizieren kann. Dieses Bild gibt jeder Person die Möglichkeit, ihre eigene Vorstellungskraft zu testen.


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